In den 90´er Jahren begann die rasche Verbreitung breitbandiger Internetverbindungen. Plötzlich waren neuartige Anwendungen möglich, die über das Surfen im Internet weit hinaus gingen. Dank leistungsfähiger Internetzugänge per DSL konnte nun auch Sprache im Netz transportiert werden. Da für die Übertragung der Datenpakete das Internet-Protokoll (IP) genutzt wird, kristallisierte sich die Bezeichnung „Voice over IP“ (VOIP) oder IP-Telefonie heraus.
Internettelefonie ist längst kein Hobby für Computerfreaks mehr. Laut dem Technikverband „BITKOM“, nutzten Anfang 2010 schon 10,3 Millionen Nutzer in Deutschland die günstige VOIP-Technik. Das entspricht einem Anstieg von 18 Prozent zum Vorjahresvergleich. 2010 rechnen die Experten mit einer weiteren Steigerung in Höhe von 12 Prozent.

Direktes / Indirektes VOIP
Je nach Einsatzzweck und Einsatzgebiet gibt es heute eine Vielzahl an Möglichkeiten, VOIP zu nutzen. In vielen Haushalten kommt sogar VOIP bereits zum Einsatz, ohne das die Verbraucher sich dessen bewusst sind. Denn die so beliebten Festnetzflatrates basieren im Regelfall auf VOIP-Technik. Die meisten heute angebotenen Surf- und Telefonieangebote der Telekommunikationsunternehmen bestehen aus einer Internet-Surfflatrate und einer Flatrate für Festnetzanrufe. Es fallen also keine gesprächsabhängigen Gebühren mehr an, außer bei Sonderrufnummern oder ins Ausland. Daher sprechen wir hier gerne von indirektem VOIP.
Bei „direkten VOIP-Lösungen“ erfolgt eine bewusste Entscheidung zu einer solchen Telefonanlage. Endkunden können VOIP mit einem bestehenden Breitbandanschluss (z.B. DSL) per Software-Telefon oder einem richtigen Telefon nutzen.
Illustration Endgerätetypen und Verbindungsmöglichkeiten bei VOIP
Softwarelösung:
Diese Variante ist die einfachste VOIP-Lösung, aber auch die unkomfortabelste und daher eher für Büros, Auslandsgespräche oder für unterwegs geeignet. Telefoniert wird mit einem VOIP-Programm, wie Skype. Als Eingabegerät fungiert ein Headset oder ein spezielles USB-Telefon.
Hardware-Lösung:
Dies ist die komfortabelste VOIP-Lösung. Denn Sie können ganz gewohnt ihr Telefon nutzen. Ein Computer ist nicht nötig. Je nach Konfiguration (siehe unten unter "Einrichten") besteht die Möglichkeit des Einsatzes ihres alten, analogen Telefons (Tipps zur Einrichtung). Alternativ gibt es im Fachhandel spezielle VOIP-Telefone zu kaufen. Wie Sie ein solches Telefon in Betrieb nehmen und was es zu beachten gibt, lesen Sie in unserem ausführlichen Special zur Einrichtung von VOIP Telefonen.
Wie schon angedeutet, gibt es etliche Wege beim Telefonieren Geld zu sparen. Gefragt sind heute besonders Komplettangebote mit Internet- und Festnetzflatrate. Bestellung und Einrichtung sind denkbar einfach. Günstige Angebote gibt es schon für unter 30 Euro monatlich. Genaue Preisangaben finden Sie in unserem Tarifvergleich. Doch noch längst nicht jeder Haushalt hat darauf umgestellt. Nicht selten wird das Telefon noch am guten alten T-Net-Anschluss betrieben. Doch auch ohne solche Doppelflats könne Sie mit VOIP den Telefonkomfort steigern und Gebühren sparen.
Wir haben für Sie, je nach gewählter Variante, jeweils ein Tutorial erstellt, mit dessen Hilfe die Einrichtung Ihrer VOIP-Lösung problemlos gelingt. Zudem gibt es Tipps & Tricks für mehr Funktionen, Sicherheit und Qualität.
a) So richten Sie Ihr Telefon ein, bei Telefonie über den DSL-Provider, z.B. per Festnetzflat.
b) Telefonie über einen SIP-Provider mit VOIP-Telefon - so klappt die Einrichtung.
c) Wer über einen SIP-Anbieter telefonieren möchte und keinen Router mit Telefonfunktion hat, findet hier Rat.
d) Sollten Sie Ihr analoges Telefon behalten wollen, ist dies möglich unter Verwendung eines Adapters. Mehr zur Einrichtung des VOIP-Adapters.
e) Etwas exotischer, aber dennoch interessant ist die Möglichkeit von VOIP über Ihr Handy. Beschrieben am Beispiel eines Nokia-Handys oder eines iPhones.
Sofern eine Fritzbox zum Einsatz kommt, zeigen wir in diesem Tutorial, wie man mehr Funktionen freischaltet oder optimal konfiguriert.
An erster Stelle steht ein schneller Internetanschluss. Zum Beispiel per DSL, VDSL oder Kabel. Als Richtwert sollte der Anschluss mindestens 1 Mbit/s leisten. Zwar reichen 100-200 Kbit/s aus. Allerdings sind Uploadrate und Downloadrate bei den Endverbrauchertarifen meist asymmetrisch. Um auch mit 100 Kbit/s Daten senden zu können, also Ihre Sprache zum Gesprächspartner, brauch est mindesten ein DSL-Anschluss mit 1000 Kbit/s. Besser mehr …
Des Weiteren benötigen Sie ein VOIP-Telefon, wenn der Router keine Internettelefonie beherrscht. Das ist allerdings eher selten. Sonst reicht z.B. eine halbwegs moderne Fritz!Box. Alternativ VOIPen Sie einfach per Skype und einem Headset.
Wenn Sie als VoIP-Nutzer ein Telefonat zu einem Festnetzanschluss aufbauen, wird technisch folgender Weg beschritten. Von Ihrem VoIP-Telefon (oder einem Router der Internettelefonie beherrscht), wird das Sprachsignal in Datenpakete umgewandelt und über das Internet zum Vermittlungsrechner (Gateway) eines VoIP-Anbieters übertragen. Dieser leitet die Datenpakete bis zum Gateway der Ortsvermittlungsstelle des gewünschten Teilnehmers weiter. Dort werden die Daten in analoge Sprachsignale zurückgewandelt und ins Festnetz übertragen. Damit sind beide Telefonpartner miteinander verbunden und das Telefonat findet wie gewohnt statt.
Das Prinzip von VOIP
Nach heutigem Stand der Technik merken Sie in der Regel keinen Unterschied zu ihrer klassischen Telefonanlage. Sie erreichen nicht nur andere Teilnehmer, die VoIP nutzen, sondern auch alle Festnetzanschlüsse und Mobilfunknetze. Im besten Fall Festnetzanschlüsse sogar kostenlos!
Vorteile:
Vor allem die bereits angesprochenen Gebührenvorteile. Gespräche von VoIP zu VoIP sind in der Regel kostenlos! Bei allen DSL-Anbietern können Sie eine sogenannte Telefonflatrate zu Ihrem DSL-Anschluss dazu bestellen. Das bedeutet, sie zahlen einen festen monatlichen Betrag und können dafür unbegrenzt in das deutsche Festnetz telefonieren. Zubuchbare Pakete erlauben es sogar, in ausgewählte, ausländische Festnetze zu telefonieren (Internationale Flatrate). In unseren Tarifübersichten können Sie alle Anbieter und Kosten vergleichen.
Ein weiterer interessanter Vorteil ist die Standortunabhängigkeit. Sie können Ihren VOIP-Telefonanschluss überall mit hinnehmen. Z.B. bei Auslandsaufenthalten. Solange eine Internetverbindung besteht, sind Sie überall kostengünstig bzw. kostenlos erreichbar.
Ohne Telefonflatrate werden bei Internettelefonie mit Gesprächsziel in das deutsche Festnetz im Mittel nur 2 Cent, abgerechnet – also auch für ein deutschlandweites Gespräch. Voice-Over-IP bietet eine Reihe von Funktionen, die bisher meist nur ISDN-Kunden vorbehalten waren. Wie etwa gleichzeitiges telefonieren zweier Teilnehmer im Haushalt. Je nach verwendetem Telefon / Modem bzw. Hardware sind zahlreiche weitere Features nutzbar.
Funktionen im Überblick
|
mögliche Zusatzfunktionen
|
Nachteile:
VoIP ist eine nahezu ausgereifte Technologie. Die ersten, ernsthaften Anfänge liegen ca. 15 Jahre zurück. Einige Probleme gehören jedoch noch nicht ganz der Vergangenheit an. Es wird nur noch etwas dauern, bis auch diese vollständig gelöst sind. Zum einen können in seltenen Fällen Störungen auftreten, die Sie auch von Handys kennen. Wie Echos oder temporäre Gesprächsaussetzer. Hier finden Sie für solch einen Fall Lösungs- und Optimierungsansätze. Die Mitnahme ihrer alten Telefonnummer kann je nach Provider nicht unbedingt gewährleistet werden. Auch die Erreichbarkeit von Service und Notrufnummern ist technisch noch nicht vollständig ausgereift. Auch Faxe zu versenden bzw. zu empfangen ist nicht immer problemlos möglich und bedarf manchmal mehrerer Anläufe. Rufnummer-Unterdrückungs-Funktionen (CLIR) sind ebenfalls providerabhängig. Da jedoch in nahezu jedem Haushalt ein Handy vorhanden ist, sollte dies kein unabdingbares Hindernis sein.
Bei der analogen Telefonie per Festnetz wird die Sprache einfach auf eine Trägerfrequenz aufmoduliert. Genau genommen nur ein kleines Spektrum der menschlichen Stimme. Daher klingt die Telefonstimme des Gesprächspartners auch so ungewohnt „flach“. VOIP beschreitet den Weg, die Sprache vorher zu digitalisieren und diese dann über das Internet zum Gesprächspartner weiterzuleiten. Durch dieses Prinzip eröffnen sich die, weiter oben auf der Seite ausführlich beschriebenen, Vorteile.